Wenn unsere Muskeln sich verabschieden

katja.wesnerEMSLeave a Comment

Wir kennen es doch alle: Da mühen wir uns so regelmäßig beim Sport ab und müssen dann eine Pause machen – der Job, die Familie, unerwartete Ereignisse – irgendwas kommt immer. Und nach einiger Zeit merken wir, dass irgendwie alle Mühe umsonst war. Aber warum ist das so und ab wann?

 

Unser urzeitgeprägter Körper ist ausgefuchst. Der Abbau von Muskelzellen wird bei längerer Nichtbenutzung ganz bewusst vom Körper herbeigeführt, da er nach dem Prinzip der Energieminimierung arbeitet. Das bedeutet: Muskeln, die nicht beansprucht/gebraucht sind, werden zurückgebildet. Die Erhaltung würde nur unnötig Energie verschwenden.

 

Das passiert: Zunächst wird das Muskelglykogen entzogen, wodurch Wasser angeschwemmt wird. Alleine dadurch wirkt man schon weniger austrainiert. Anschließend werden Eiweißstrukturen abgebaut, woraus kurzzeitig Energie gewonnen werden kann. Als nächstes wird die Versorgung der Muskelzellen über Blut- und Nervenbahnen beendet, was zur merklichen Rückbildung des Muskels führt. Letztlich bleibt nur noch der Zellkern des Muskeln und sein „Muscle-Memory-Effect“. Dieser ist die Fähigkeit, die Erinnerung an den alten Leistungszustand zu speichern und dadurch beim Wiedereinstieg schneller wieder an den ursprünglichen Zustand zu gelangen.

 

Nach ca. zwei Wochen Pause können wir merken, dass der der Körper die Muskulatur zurückbildet. Erst die Schnellkraftmuskulatur, dann folgen auch die anderen Fasertypen. Drei bis vier Wochen Pause sind für gut trainierte Kraftsportler nicht so dramatisch, bei Einsteigern geht dagegen alles etwas schneller weg.

 

Denn wenn wir nicht trainieren, bauen sich unsere Muskeln mit dem Alter so oder so langsam ab. Durchschnittlich büßen wir ab dem 30. Lebensjahr innerhalb der nächsten 10 Jahre rund 3 kg Muskelmasse ein. Zwischen dem 50. und 90. Lebensjahr sind rund 50% der ursprünglich vorhandenen Muskulatur verloren. Ein Grund dafür ist der, dass wir im Alter aus verschiedenen Gründen oftmals weniger Eiweiß essen und dieses auch schlechter verwertet werden kann. Eiweiß, bestehend aus verschiedenen Aminosäuren, bildet den Grundbaustein für unsere Muskulatur.

 

Gute Nachricht: durch gezielte Ernährung und gezieltes Krafttraining lässt sich der altersbedingte Muskelschwund erheblich verlangsamen und einschränken! Das Alter spielt dabei eine untergeordnete Rolle, denn unser Wunderwerk Körper ist immer in der Lage sich anzupassen.

 

Wer dem Schwund der Muskulatur im Alter oder bei einer längeren Pause nun entgegenwirken will, sollte dringlichst auf die Ernährung achten und genügend Eiweiß mit allen essenziellen Aminosäuren aufnehmen. Stress und Schlafmangel sind Gift für unsere Muskulatur, da das dadurch ausgeschüttete Hormon Cortisol Glukose und Aminosäuren angreift und so langsam den Muskelabbau begünstigt. Auch auf Alkohol und Zigaretten sollte verzichtet werden, wenn uns unsere Muskulatur lieb ist, da beide Mittel natürliche Stoffwechselprozesse erheblich stören.

Nach längerer Pause gilt: Nicht von den Rückschritten entmutigen lassen und wieder regelmäßig loslegen, die Kraft und die Muskulatur kommen wieder!

 

Zusammenfassend können wir also sagen: Der Muskelabbau unseres Körpers ist ein ganz natürlicher Prozess, der mit zunehmendem Alter immer stärker wird. Mit den richtigen Hebeln und Gegenmaßnahmen ist es möglich, diesen Fortschritt bis ins hohe Alter gewissermaßen einzuschränken. Um das zu erreichen heißt es: Intensiv trainieren, dranbleiben, möglichst längere Pausen vermeiden und die Muskulatur mit der richtigen Ernährung versorgen.

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